Öffentliche Ausschreibung: Vergabe eines Forschungs- und Datenberichts zur psychosozialen Versorgung geflüchteter Kinder und Jugendlicher in Deutschland
Save the Children ist die weltweit größte unabhängige Kinderrechtsorganisation. Wir setzen uns in rund 100 Ländern für die Rechte aller Kinder auf Gesundheit und Überleben, Schule und Bildung sowie Schutz vor Gewalt und Ausbeutung ein. Save the Children wurde 1919 gegründet und ist seit 2004 in Deutschland tätig.
Zur Umsetzung der Projektmaßnahme „Stärkung des Bewusstseins, Engagements und der Vernetzung für die psychosoziale und psychotherapeutische Versorgung geflüchteter Kinder und Jugendlicher in Deutschland“ im Projekt „SAVE-Sicher.Ankommen.Vernetzen“ beauftragen wir die Erstellung eines
Forschungs- und Datenberichts zur psychosozialen Versorgung geflüchteter Kinder und Jugendlicher in Deutschland
Ziel des Vorhabens ist die Analyse bestehender psychosozialer Unterstützungsbedarfe, die Bewertung der aktuellen Versorgungssituation im Regelversorgungssystem sowie die Ableitung evidenzbasierter Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Versorgungslage.
I. Hintergrund und Problemstellung
Geflüchtete Kinder und Jugendliche sind aufgrund von Flucht-, Gewalt- und Verlusterfahrungen sowie struktureller Unsicherheiten besonderen psychosozialen Belastungen ausgesetzt. Gleichzeitig bestehen belastbare Erkenntnisse dazu, dass psychosoziale Bedarfe dieser Zielgruppe häufig nicht ausreichend erkannt und versorgt werden. Zu den diskutierten Ursachen zählen unter anderem sprachliche Barrieren, administrative Zugangserschwernisse, unklare Zuständigkeiten, fehlende Früherkennungsstrukturen sowie eine unzureichende migrations- und traumasensible Qualifizierung von Fachkräften im Gesundheitswesen.
Vor diesem Hintergrund soll ein Datenbericht den aktuellen Wissensstand systematisch zusammenführen, Versorgungslücken sichtbar machen und Ansätze zur Weiterentwicklung der psychosozialen Versorgung identifizieren. Ein besonderer Fokus soll auf den Erfahrungen und Arbeitsansätzen Psychosozialer Zentren (PSZ) liegen.
II. Zielsetzung des Auftrags
Der Auftrag umfasst die Erstellung eines wissenschaftlich fundierten Datenberichts, der:
- aktuelle Erkenntnisse zu psychosozialen Unterstützungsbedarfen geflüchteter Kinder und Jugendlicher zusammenfasst,
- den Stand der psychosozialen, psychologischen, psychotherapeutischen und psychiatrischen Versorgung im System der öffentlichen Gesundheitsversorgung und darüber hinaus analysiert,
- bestehende Versorgungslücken identifiziert,
- die Rolle und Expertise von Psychosozialen Zentren untersucht,
- Good-Practice-Ansätze herausarbeitet,
- Auswirkungen aktueller gesetzlicher und struktureller Entwicklungen berücksichtigt,
- praxisnahe und evidenzbasierte Handlungsempfehlungen formuliert.
III. Forschungsfragen
3.1 Leitfrage
Welche psychosozialen Unterstützungsbedarfe bestehen bei geflüchteten Kindern und Jugendlichen in Deutschland und in welchem Umfang kann die bestehende Regelversorgung diesen Bedarfen gerecht werden?
3.2 Weiterführende Fragestellungen
a) Versorgungssituation und Bedarfe
- Welche psychosozialen Bedarfe sind für geflüchtete Kinder und Jugendliche in Deutschland dokumentiert?
- Welche Erkenntnisse liegen zur tatsächlichen Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen vor?
- Welche Versorgungslücken lassen sich im System der öffentlichen Gesundheitsversorgung und darüber hinaus identifizieren?
b) Rolle der Psychosozialen Zentren
- Welche Ansätze und Arbeitsweisen der Psychosozialen Zentren haben sich bewährt?
- Welche Elemente dieser Ansätze könnten auf die Regelversorgung übertragen werden?
c) Strukturelle Voraussetzungen
- Welche finanziellen, fachlichen, rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen wären
- erforderlich, um migrations- und traumasensible Versorgung nachhaltig zu stärken?
- Welche Hindernisse bestehen derzeit?
- Wie beeinflussen aktuelle politische Entwicklungen (u.a. die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS)) die strukturellen Voraussetzungen?
d) Handlungsperspektiven
- Welche Maßnahmen lassen sich auf Basis der Untersuchung zur Verbesserung der Versorgungssituation ableiten?
IV. Leistungsumfang
Der Auftragnehmer bzw. die Auftragnehmerin übernimmt mindestens folgende Leistungen:
4.1 Systematische Daten- und Literaturrecherche
Durchführung einer strukturierten Analyse bestehender Datenquellen, Studien und Berichte, insbesondere zu:
- psychosozialen Bedarfen,
- psychischer Gesundheit,
- psychotherapeutischer Versorgung,
- gesundheitsbezogenen Ungleichheiten,
- Versorgung geflüchteter Kinder und Jugendlicher,
- Versorgung aller Kinder und Jugendlicher in Deutschland, Erkenntnissen relevanter Fachverbände und Institutionen.
4.2. Quantitative Analyse
Soweit verfügbar und methodisch belastbar:
- Analyse vorhandener Daten zu Versorgungsbedarfen,
- Analyse vorhandener Daten zur tatsächlichen Versorgung,
- Analyse bestehender Daten zu Kosten der Unterversorgung bzw. Nichtversorgung,
- Aufbereitung relevanter demografischer Informationen.
4.3 Qualitative Datenerhebung
Durchführung und Auswertung qualitativer Expert*inneninterviews oder anderer geeigneter Erhebungsformate mit:
- Vertreter*innen von Psychosozialen Zentren,
- Fachkräften relevanter Versorgungssysteme,
- Organisationen der Selbstvertretung ehemaliger Klient*innen bzw. junger Geflüchteter.
4.4 Analyse aktueller politischer Entwicklungen
Darstellung relevanter Entwicklungen der europäischen und nationalen Asyl- und Gesundheitsgesetzgebung, insbesondere möglicher Auswirkungen des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) auf die psychosoziale Versorgung geflüchteter Kinder und Jugendlicher.
4.5 Entwicklung von Handlungsempfehlungen
Erarbeitung von Empfehlungen für Politik, Verwaltung, Gesundheitswesen und weitere relevante Akteur*innen in Abstimmung mit dem Auftraggeber. Die Empfehlungen sollen evidenzbasiert, praxisnah und umsetzungsorientiert sein.
4.6 Öffentlichkeitsarbeit
Zum Auftragsumfang gehören zudem:
- die Teilnahme am Launch-Event zur Veröffentlichung
- nach Veröffentlichung als Interviewpartner*in für Pressearbeit sowie für die Social Media Arbeit von Save the Children zur Verfügung zu stehen
- die Teilnahme als Referent*in oder Podiumsteilnehmer*in am bundesweiten Fachtag des SAVE-Projekts voraussichtlich im November 2027.
V. Erwartete Arbeitsergebnisse
Mindestens vorzulegen sind:
Arbeitsergebnis 1
Methodenkonzept inklusive Recherche- und Erhebungsdesign.
Arbeitsergebnis 2
Präsentation erster Ergebnisse.
Arbeitsergebnis 3
Vollständiger Datenbericht in deutscher Sprache.
Empfohlener Umfang:
- ca. 40 bis 60 Seiten Hauptbericht
- Fact Sheet (1-2 Seiten) und Zusammenfassung (3 bis 4 Seiten)
- Mitarbeit an einem Positionspapier
- Tabellen- und Abbildungsanhang
Arbeitsergebnis 4
Präsentation der Ergebnisse gegenüber Save the Children Deutschland e.V.
Arbeitsergebnis 5
Teilnahme am Launch-Event, Interviews und als Referent*in/Podiumsteilnehmer*in beim bundesweiten Fachtag des SAVE-Projekts.
VI. Anforderungen an die Bietenden
Bietende sollen folgende Qualifikationen nachweisen:
- Erfahrung in gesundheitswissenschaftlicher, sozialwissenschaftlicher oder
- versorgungswissenschaftlicher Forschung,
- nachweisbare Expertise im Bereich Migration, Flucht, Kinderschutz, psychische Gesundheit oder Gesundheitsversorgung,
- Erfahrung mit quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden,
- Erfahrung in der Erstellung von Studien, Forschungsberichten oder Policy Papers,
- Kenntnisse der deutschen Gesundheits- und Sozialversorgungsstrukturen.
- Erfahrung in diversitäts-, diskriminierungs- und kinderschutzsensibler Forschung, insbesondere mit vulnerablen Zielgruppen.
Wünschenswert sind darüber hinaus:
- Erfahrungen im Bereich psychosoziale Versorgung von Geflüchteten,
- Kenntnisse zu Psychosozialen Zentren,
- Erfahrungen mit partizipativen Forschungsansätzen.
VII. Zeitplan
Voraussichtlicher Projektstart: 09.11.2026
Kick-off-Termin: 09.11.2026
Vorlage Methodenkonzept: 30.11.2026
Zwischenpräsentation: 03.05.2027
Entwurf Abschlussbericht: 01.09.2026
Finalisierung: 01.11.2027
VIII. Budgetrahmen
Für das Vorhaben steht ein Budget von 80.000€ inklusive aller Personal-, Recherche-, Reise- und Nebenkosten zur Verfügung.
VIIII. Angebotsbestandteile
Das Angebot soll enthalten:
1. Kurzbeschreibung des Vorgehens und Methodendesigns (maximal 5 Seiten)
2. Zeit- und Arbeitsplan
3. Zusammensetzung des Projektteams
4. Referenzen und Arbeitsproben aus vergleichbaren Projekten
5. Budget- und Kostenkalkulation
6. Angaben zu etwaigen Unterauftragnehmer*innen.
X. Zuschlagskriterien
Die Bewertung der Angebote erfolgt nach folgenden Kriterien:
| Kriterium | Gewichtung |
| Fachliche Qualität des Konzepts | 35 % |
| Methodisches Vorgehen | 25 % |
| Erfahrung des Projektteams | 20 % |
| Relevante Referenzen | 10 % |
| Wirtschaftlichkeit des Angebots | 10 % |
XI. Einreichung der Angebote
Fragen sind bis zum 15.09.2026 um 12:00 Uhr ausschließlich über die folgende E-Mail-Adresse einzureichen: kontakt-save@savethechildren.de. Die Fragen und Antworten werden ab dem 22.09.2026 allen Bieter*innen in anonymisierter Form zur Verfügung gestellt.
Bitte senden Sie Ihr aussagekräftiges Angebot (inklusiver aller oben genannten Dokumente) bis zum 29.09.2026 um 12.00 Uhr an kontakt-save@savethechildren.de. Zugelassen ist 1 Angebot pro Auftragnehmer*in (ggf. mit unterschiedlichen Ausgestaltungsoptionen zu diesem einen Angebot).
Auswahlgespräche werden im Zeitraum vom 5. bis 7. Oktober 2026 stattfinden.
XII. Ansprechpartner*in
Anika Bergmann
Projektleitung SAVE – Sicher.Ankommen.Vernetzen
Save the Children Deutschland e.V.